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Zum Ende der Seite springen Die Kriegerin
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Nelfalas Nelfalas ist männlich
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Dabei seit: 21.08.2009
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Die Kriegerin Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Dies ist eine aus verschiedenen Fragmenten bestehende Erzählungen von einer uralten Elbin, über eine uralte Elbin und einige Dinge, die mit ihrer Vergangenheit zu tun haben. Sie ist in unseren bestehenden RP-Plot eingewoben und die Spielerin der Elbin weiß selbst nicht, was ihrem Charakter da noch nach und nach alles gewahr wird.

---

Was du auch denkst, meine Blume, flüsterte ihr die Stimme mit dem Wind, es wird Erlösung geben, wenn getan wurde, was getan werden muss!

Die drei Männer, die sich nahe Bruchtal bewegten, gehörten zu den Besten, die man für eine Aufgabe wie diese aussuchen konnte. Sie waren skrupellos, kalt, zielgerichtet und ohne Emotion. Keine dümmlichen Schurken die sich auf ihre Eigenschaften etwas einbildeten, sondern selbstbewusste Meister ihres Faches, deren Handwerk in den Schatten getätigt wurde.

Das Ziel dieser Aufgabe hier war jedoch selbst für diese Männer nicht ohne Hilfe von außen zu erreichen. Ins Elbenreich von Bruchtal sollten sie vordringen. Nicht weit, nur zur Beobachtung, aber dennoch wäre auch der geschickteste Mensch den Elbenjägern Elronds aufgefallen, wenn es nicht eine besondere Unterstützung für diese Drei gegeben hätte. Auf den dunklen Mänteln die sie trugen, lag ein machtvoller Bannspruch, der die Schatten um sie drehte und wendete, ihre Schritte zu verbergen und ihnen in ihrer Umarmung Schutz zu bieten. Können verstärkt durch schwarze Kunst, so gelangten sie nah heran an die Fälle von Imladris.

Tagelang lauerten sie dort. Verbargen sich im Dunkel um zu beobachten und zu spähen nach der einen Person, auf die sie ihr Augenmerk richten sollten. Doch nie erschien sie vor ihrem wachsamen Blick. Und eines Abends, da begannen sie zu flüstern miteinander. Leise, wispernd, dass es keinem Elbenjäger auffiel. Und in der Tat, von den Elben Bruchtals hörte niemand ihre Worte.

"Sie ist nicht hier! Wo er sie auch verbirgt, es ist nicht in Imladris!"
"Wir müssen noch Geduld haben!"
"Geduld! Dummes Gerede! Wir warten hier auf eine Elbin die vermutlich in Lorien oder sonstwo sitzt und könnten jeden Tag entdeckt werden. Sie werden keine Gnade haben, wenn sie unserer habhaft werden!"
"Wie gerne würde ich ihr die weiße Kehle durchtrennen, allein dafür, dass ihr dreckiger Elbengatte meinen Bruder..."
"Schweig! Wir haben bereits zuviel geredet!"

Siehst du, meine Blume. Wie ich es dir sagte. Ich sah sie auf dem Weg hierher und hörte ihre Worte. Sie würden Melthiel ermorden, wenn sie können. Die Frau, die dort im Dicklicht stand, nickte still. In ihren wunderschönen Augen lag ein Ausdruck von Trauer, mit einem leichten Schimmer von Wut. Trauer über das, was nun geschehen musste und Wut, die sie mahnte, dass sie trotzdem tun musste, was zu tun war.

Die drei Menschen hatten sich wieder auf die Lauer gelegt. Gelangweilt, angespannt, aber doch Meister ihres Faches genug, um sich davon nicht von ihrer Aufgabe abbringen zu lassen. Doch dann schreckten sie hoch aus ihren Positionen, denn etwas erklang durch den Wald, was dort nicht hingehörte. Etwas, was sie mahnte, dass sie entdeckt worden waren. Es war der Klang einer Harfe, welche Töne spielte, die, obwohl sie wunderschön waren, ihnen das Blut gefrieren ließ. Und dazu erklang eine Stimme, so milde und wundervoll, die jedoch einen tiefen, schaurigen Ton von sich gab, der ihnen die Kehlen zusammenschnürrte.

"Wer ist da?", rief einer der Männer aus. "Hier ist Galpar von Donvail, der Elbenschlächter! Zeige dich und stell dich mir! 7 der großen Jäger eures Volkes starben schon durch den Schnitt meiner Klingen, stirb in einem aufrechten Kampf!"

Eine emotionslose Frauenstimme von unvergleichlicher Schönheit, die von überall zu kommen schien, antwortete ihm.

"Eine Gruppe von Meuchelmördern spricht zu mir von einem aufrechten Kampf, unterbrochen dabei einer Frau aufzulauern, die an Güte und Sanftheit ihresgleichen sucht. Ihr werdet ihn bekommen, euren Kampf, denn durch eure Absicht habt ihr euer Leben verwirkt. Ich traure um die Leben, die ihr durch eure Art so einem misslichen Ziel gewidmet habt und das ich sie verbannen muss aus dieser Welt, doch wenn ich entscheiden muss, zwischen ihr und euch, kann die Wahl niemals auf euch fallen."

Es tut mir leid, meine Blume.

Die Männer zogen ihre Waffen. Galpar stand vorne, die anderen beiden flankierten ihn etwas dahinter. Ihre Blicke wanderten umher, trotzdem sahen sie ihren Feind nicht, hörten aber die Stimme von überall und den Klang der Harfe, die gemeinsam etwas komponierten, was wie eine Grabeshymne klang und ihre Gemüter erschauern ließ. Dann drang ein heller Ruf durch den Wald, schnell wie ein Pfeil sprang eine Gestalt aus dem Dicklicht, Galpar reagierte sofort, sprang nach vorne, rollte sich ab, drehte sich dabei, doch einer seiner Spießgesellen, der, der das anvisierte Ziel war, der war nicht so flink und sah nur noch das gleißende Silberlicht einer Klinge die sich in seinen Leib bohrte. Der andere war starr vor Angst, nur für einen Augenblick, für eben diesen Augenblick, den entscheidenen Augenblick, den Augenblick, der ein Augenblick zu lange ist. Er starb mit durchschnittener Kehle.

Galpar hielt seine beiden Säbel vor sich und musterte die Gestalt genau. Es war eine Elbin von beinahe unglaublicher Schönheit. Sie trug ein Gewand aus leichtem, aufwendig verzierten Leder, hatte ein makellos schönes Antlitz, umrahmt von den wehenden Schatten ihrer schwarzen Haare, die so seidig glänzten, dass er glaubte die Sterne des Nachthimmels darauf erkennen zu können.

"Sieh an! Du stellst dich dem Kampf! Menschen flößen dir keinen Respekt ein, nicht wahr? Aber ich weiß, wie man einen Elben umzubringen hat. Ich habe nicht gelogen, schon 7 von euch..."

"Dein zweifelhafter Ruhm ist bedeutungslos, Galpar. Erschaudern würdest du, wieviele von denen, die sich solcher Taten rühmten, bereits durch meine Hand gestorben sind. Du hast deinen Richtspruch selbst gesprochen. Nur die Vollstreckung bleibt noch aus!"

Der Angmarim verstand das Worte diese Elbin nicht einschüchtern würden und ihm damit keinen Vorteil bringen, also ging er zum Angriff über. Seine Klingen waren die Richtstöcke für eine Symphonie des Todes, jeder Muskel seines Körpers ertüchtigt und jede Sehne gedehnt durch immer wiederkehrende Leibesübungen mit dem Ziel, aus ihm ein unfehlbares Instrument der Vernichtung zu machen. Tag um Tag hatte er verbracht damit, jede Schliche, Finte und Sorgsamkeit des Waffenhandwerks zu erlernen und zu verinnerlichen, sie immer und immer wieder in endlosen Übungsstunden und im direkten Kampf erprobt und verfeinert. Galpar kannte nicht seinesgleichen und den Assassinen von Donvail, er war der Beste, der sichere Tod für jeden, auf den er gehetzt worden war. Seine Schnitte und Schläge suchten mit mordlüsterner Präzision die Schwächen in der Deckung der Elbin, taten ihr bestes, sie durch die pure Kraft hinter seinen Schlägen zu durchbrechen und wiederholten ihre Versuche wieder und wieder in nicht enden wollender Ausdauer.

Doch der Erfolg blieb aus.

Wie eine Erscheinung war diese Elbin, ihre Art des Kampfes wie ein einstudierter Tanz, bei dem jede Bewegung wirkte wie monate Geprobt und verfeinert. Die Kraft ihres Körpers war keinesfalls geringer als die seine und obwohl sie nur ein Schwert gegen seine beiden Klingen schwang, wirkte sie nicht einen Augenblick im Nachteil. Mit fast spielerischer Leichtigkeit wich sie selbst seinen geschicktesten Schlägen aus, parierte seine wuchtigsten Hiebe und drang immer wieder fast bis auf Haaresbreite gegen seine Deckung vor. Galpars Selbstbewusstsein schwand, seine Hand wurde unruhig, sein Herz schlug schneller, er mahnte sich zu Disziplin, kämpfte an gegen die aufsteigende Panik bis... bis das Schwert der Elbin seine Lücke fand, die es zu seinem Herzen führte. So starb der Meuchler, ohne ein letztes Wort des Abschieds.

Es tut mir leid, meine Blume!, flüsterte es im Wind. Aber auch du, wirst Erlösung finden.

"Ich trage die Last für sie!", antwortete die Elbin, "Das ihre Sanftheit unberührt bleiben kann!"

Ja. Aber du leidest, weil deine Sanftheit die ihre ist und nicht unberührt bleiben darf.

Das Gesicht der Elbin blieb ausdruckslos, zeigte aber auch keinen Widerspruch.

"Ich... trauere..."

Ich weiß, dein ist die Trauer, meine Blume.

"Ich trauere um dich!"

Meine Erlösung wird die deine sein.

Sie nickte still. Dann ging sie fort, selbst von den Elbenjägern, welche den Geräuschen gefolgt waren, unbemerkt.

---

Der Klang ihrer Harfe war an diesem Morgen so dezent und ruhig, dass eines Menschen Ohr ihn kaum bemerkt, sondern für etwas, was ganz natürlich zur Melodie des goldenen Waldes gehört, gehalten hätte. Die Töne tanzten auf Feenfüßen zwischen den Bäumen umher, leichter als Daunen die mit dem Herbstwind schweben und funkelten wie kleine Diamenten in den Ohren der wenigen Zuhörer, welche die winzig kleine Zaubermelodie erreichte. Eine einzelne Träne glitzerte auf ihrer Wagen, ein sternenklarer Schimmer der Trauer, welche ihr Herz in so tiefe Schwere senkte.

Quälen dich die Erinnerungen, meine Blume?

Wieder erklang sie aus dem Rauschen des Windes heraus, diese so vertraute Stimme. Getragen von Träumen und Wünschen, angenehm, liebevoll und unverdorben. Anders als das, was sie umgab.

"Die Qualen der Vergangenheit sind Schatten und Rauch, die Gegenwart brennt in meiner Seele."

Willst du den Kampf wirklich wagen?

"Ja!"

Aber du kennst den Preis?

"Keiner kennt den Preis einer Schlacht, die noch nicht geschlagen wurde."

Die Macht der du dich stellen wirst geht über deine eigene. Auch eine Legende sollte ihre Grenzen kennen!

"Ich stehe nicht allein."

Ich kann nicht bei dir sein.

"Das weiß ich."

Wirst du auch mich töten?

"Wenn ich muss, werde ich es tun."

Das würdest du?

Sie blickte auf. Die Träne auf ihrer Wange galt einem toten Kind, dem nicht ein einziger Sonnenstrahl vergönnt gewesen war und seiner leidenden Mutter.

"Ja, dass würde ich!"

---

Mallenaur lächelte verschmilzt zu ihrer Begleiterin herüber. Ihr offenes, fröhliches Wesen war etwas seltenes unter den eher gelassenen und unberührbar wirkenden Elben, doch gerade das machte sie für viele von ihnen zu einer besonders kostbaren Person. Die Frau die neben ihr gehörte zu diesem Kreis von Freunden, welche Mallenaurs Eigenheiten als Gaben betrachteten, die das Leben der Elben bereicherten, statt ihre Harmonie zu stören und quittierte deren Lächeln mit einem eigenen, sanften, denn sie wusste genau, was sie gerade dachte.

„Sprich nur“, sagte sie leise und ihr Lächeln schwand nicht dabei.

„Ethirôl hat dich gestern wieder besucht, nicht wahr? Er wirbt um dich!“, ihr Lächeln wurde immer breiter.

„Da scheint vieles, was uns verbindet, will ich meinen. Wir lernen uns kennen, weiter nichts.“, aber auch sie lächelte.

„Ah!“, Mallenaurs Lächeln wurde nun unweigerlich zu einem Grinsen. „Kennen lernt ihr euch. Ist dir beim kennenlernen schon der wundervolle Schimmer seiner Augen aufgefallen?“
Die andere Elbin lachte nun leise.

„Er ist schöngeistig und scheint mir tugendhaft. Und… ja, auch das ist mir aufgefallen!“

Beide lachten sie nun. Mallenaur schreichelte ihrer Freundin mit einer Hand über die Schulter und diese sah mit einem liebevollen Lächeln zu ihr auf und bewunderte den strahlenden Glanz ihrer goldenen Haare. Sie war eine Vanyar und blond wie das Sonnenlicht, noch etwas, was Mallenaur außergewöhnlich machte. Trotzdem waren mehr Herzen unter den Elbenmännern ihrer Begleiterin zugewandt. Vielleicht lag es daran, dass die Kostbarkeit ihres offenen Wesens für viele Elben verstörend wirken konnte, vielleicht lag es an dem unglaublich bezaubernden Klang ihrer als magisch beschriebenen Stimme oder vielleicht lag es einfach daran, dass Lothiels Schönheit von beinahe überirdischer Art zu seien schien. Aber Mallenaur war nicht eifersüchtig. Sie liebte ihre Freundin wie eine Schwester und wusste, es würden genügend für sie übrig bleiben. Ihr Lachen verklang und ihre Stimme verfiel in einen nachdenklicheren, beinahe melancholischen Tonfall.

„Ich hoffe, dass ihr heil zurückkehren werdet. Bitte gib auf euch Acht!“

Lothiel streichelte ihr sanft über die Wange: „Das werde ich.“

„Das musst du auch, denn ich will, dass du lebst und wohlauf bist um dein Glück zu finden und darin zu erblühen.“

Nun lächelte Lothiel wieder, ein seltenes und gerührtes Lächeln, welches man als ihr allerschönstes besang. Bald würde sie aufbrechen, dass ist wahr. Aufbrechen um etwas zu beenden was vor langer Zeit begonnen hatte und viel zu lange schon einen brennenden Schatten auf das Glück der Elben warf. Eine Geschichte von Verrat und Niedertracht in allerhöchster Güte. Mallenaurs Worte berührten sie tief, vor allen wegen der ehrlichen, liebevollen Freundschaft mit der sie gesprochen worden waren. Gerade dieses bestärkte sie darin, ihrem Pfad weiter zu folgen und für den Erhalt solcher Liebe die Gefahren und Entbehrungen auf sich zu nehmen, welche das Schicksal ihr für die Erfüllung dieser Aufgabe abverlangte.

***

Ein Balrog von Morgoth war er. Ein Seelen verschlingender Schatten, umhüllt von den dunklen Flammen welche die Dunkelheit nicht mit reinigendem Licht erhellten, sondern nur den glühenden Schimmer des nahenden Todes vorausschickten. Er war eine der grausamsten und furchteinflößendsten Gewalten dieser Zeit, nicht nur von den Geschöpfen des Lichts, auch von den Schrecken der ihn umgebenden Dunkelheit verhasst und gefürchtet. Sein Hunger war grenzenlos, seine Stärke erschütternd, und dennoch war da diese Stimme in seinem Kopf, dieser kranke, verderbte Geist, der ihm seine eigenen Gedanken durcheinander brachte und der es immer wieder gelang, ihn für sich einzunehmen.

12 Elben zogen aus, ihn zur Strecke zu bringen. Nicht mehr, denn sonst hätten sich die Heerscharen von Mordor an seine Seite gestellt. Doch 12 großen Kriegern dieses Volkes sollte es, so war der Plan, gelingen sich dem Feind zu nähern und ihn zur Strecke zu bringen, ohne dass die Finsternis ihre Legionen zu ihrer Abwehr entsenden würde. Sie sollten unentdeckt bleiben, ungesehen, ungeahnt. Doch der Stimme in seinem Geist waren die Pläne seiner Feinde bekannt und sie verriet sie ungehemmt, auf das die glühenden Feuer die seine Augen waren vorfreudig brannten. Er würde sie nicht rufen, nicht brauchen, die Armeen der Dunkelheit. Doch er würde vorbereitet sein, wenn der Feind an seine Schwelle trat um ihn zur letzten Schlacht zu fordern. Seine eigenen Diener waren zahlreich genug, ihrer Stärke würde er sich bedienen und seine eigene entfesseln um das Licht der Elben in den Schatten seiner unheiligen Flammen zu verzehren.

Tief in das Herz seines Reiches sollten sie kommen, während sich hinter ihnen die Falle schloss, in der sie ihr Ende finden sollten. Ungeheuer und Dämonen alter Zeiten erwarteten mit gierigem Schlund ihr warmes Fleisch und süßes Blut, durchstreiften ungeduldig die Finsternis in der Hoffnung auf ein grausiges Festmahl. Und sie sollten nicht enttäuscht werden.

***

Uithand betrachtete aufmerksam den liebevollen Umgang, den sein Ziehsohn Ethirôl mit der schönen Elbendame pflegte. Frauen der Elben zogen nicht in den Krieg, es sei denn, der Feind stünde schon vor den Türen ihrer Heimstatt. Doch Lothiel war außergewöhnlich, was das anging. Seit dem Falle ihrer Heimat Beleriand war ihre Geschichte ein Gesang des Kampfes und Triumphes geworden. Die mächtigsten und erfahrensten Krieger aller Elbenvölker hatten Niederlagen gegen sie erlitten und verneigten sich ehrfürchtig vor ihrer Stärke. Es wäre dumm gewesen, ihr Angebot der Hilfe auszuschlagen und dumm sein lag nicht in Uithands Interesse. Doch wie er um ihre Stärke wusste, so wusste er auch um ihr sanftes, liebevolles Wesen und hoffte innig, dass Lothiel und Ethirôl zueinander finden könnten und sie seinem unsteten, nach Harmonie gierenden Wesen die Ruhe geben würde, nach der es so sehr verlangte, denn mehr als er Ethirôl liebte, hätte Uithand einen eigenen Sohn, der ihm verwehrt geblieben war, nicht lieben können. Sie schien ihm wahrhaft zugetan. Das Lächeln, welches sie ihm schenkte, wenn er sie wieder ‚meine Blume‘ nannte, war von einem nicht zu verbergenden Schimmer des Glücks begleitet, der aus ihren Augen leuchtete. Uithand blickte zu Iavasrandir, dem größten Kämpfer der Sindar in seinen Reihen, welcher Lothiel schon seit ihrer Zeit in Beleriand kannte und sah, dass diesem offenbar die gleichen Gedanken durch den Kopf gingen. In einem stillen Moment sprachen sie darüber und als sich dieser Verdacht bestätigte, da war Uithands Herz voller Glück, denn nichts hatte er sich sehnlicher gewünscht.

***

Wir beschritten unsere Pfade durch Dunkelheit und Tod. Die Bestien die sich uns entgegenstellten, schienen furchtsam und waren leicht zu überwinden. Wir dachten, es läge daran, dass sie verzweifelt seinen, weil unser Angriff unerwartet sei und ihre Macht nicht reichen würde, uns an unserem Vorhaben zu hindern. Töricht, nicht wahr? Das dumpfe Brüllen der dunklen Kreaturen, welches die Glieder eines Kämpen erzittern lässt wurde kraftlos unter der vollendeten Stimme Lothiels, welche es zu einem tonlosen Würgelaut in schreckenlosem Dunkel verkommen ließ. Und die Klingen und Pfeile der Elbenkrieger hielten blutige Ernte unter den Orks und Ungetümen die sich uns aus den Schatten entgegenwarfen. Immer weiter drangen wir vor in die Tiefen des feindlichen Reiches, immer triumphaler wurden unsere Erfolge und schon dachten wir, dass die Macht des Feindes gebrochen sei.

Doch dann, dann schlossen sich die Tore.

Während unsere Herzen vor Entsetzen still stehen wollten, erklang von überall her das siegesgewisse Kreischen von ungeahnten Bestien und Ungetümen, welche nun ohne Arg und in hundert Mal größerer Zahl als wir es uns vorgestellt hätten hervordrängten und sich auf unsere Körper stürzten. Zwei unserer Besten, unserer Tapfersten starben, kaum das die ersten Kämpfe begonnen hatten und in mutiger Verzweiflung stürmten wir weiter vor, den eigenen Tod als Gewissheit vor Augen, um wenigstens zu vollenden, wofür wir gekommen waren. Der Kampf gegen den Balrog tobte, Feuer und Dunkelheit verschlangen 5 weitere, doch die Macht unserer Klingen war stärker, als es das Ungetüm je erwartet hätte. Ein Licht des Wagemuts erstrahlte hell und gleißend in seiner Finsternis und all seine Diener reichten nicht, es gänzlich zum verlöschen zu bringen. Eine Pforte wurde offenbar, ein Pfad der uns in die Freiheit führen könnte, wenn wir das Übel erschlagen hätten. 8 von uns waren noch am Leben, der Balrog taumelte und wankte unter unseren Schlägen, tobte vor Zorn und Mordlust, doch schien sein Schicksal trotz aller Hinterlist besiegelt.
Lothiel stiegen Freundentränen in die Augen, als sie doch noch Hoffnung sah für ihre tapferen Freunde. Tapfer und furchtlos stürzte sie sich in die Horden der Feinde und erschlug Bestie um Bestie, auf das sie ihren Freunden im Kampf gegen den großen Feind nicht in den Rücken fallen konnten. Dann, in einem kurzen, kostbaren Augenblick der Ruhe, als eine weitere Welle der Ungeheuer zurückgedrängt war, da breitete sich ein Schrecken in ihr aus, der noch größer schien als alles, was diese Finsternis hätte für sie bereithalten können. Sie sah Uithand fallen, den größten aller unter ihnen, den tapferen und aufopfernden, in seiner Brust den Pfeil seines geliebten Ziehsohns. Und dessen Stimme erschall in der Dunkelheit:

„Ich höre die Stimme. Ich war unter ihnen dereinst. Ich war gefallen. Ich schwor den Agargwaedh!“

Einen weiteren erschoss er. Einen weiteren danach. Ihre Kraft fehlte den Verbliebenen. Der Balrog gewann wieder an Macht und der Elben Licht erstarb in der brennenden Dunkelheit. Lothiel wartete, hoffte das ihr Herz das nächste sei, dass ein Pfeil durchbohren würde. Doch sie wurde gepackt von den Armen des Iavasrandir, welcher sie zum Licht der Pforte trug, geschützt von der behütenden Klinge Gontirns, welcher für ihren Schutz sein Leben ließ.

---

Ein gewonnener Krieg, hat mir meine Heimat genommen. So groß war das Ringen, so stark die Kräfte, die entfesselt wurden, dass die Landmassen Beleriands brachen und dem Kampf gegen die Schrecknis von Morgoth zum Opfer fielen. Es wirkten Kräfte, die bei weitem jene übersteigen, die heute die Welt in Knechtschaft zu legen drohen. Und doch scheint der Kampf um Mittelerde dringlicher denn je. Vielleicht ist es wirklich mein Schicksal. Vielleicht ist Ruhe und Frieden nicht Teil meiner Bestimmung. Doch es gab andere Zeiten.

Es gab Zeiten, wo wir jung und sorglos waren, Zeiten, wo unser Verhältnis zueinander so anders war und noch weit mehr anders schien. Wir waren jung, geliebt von vielen und es hieß, in unseren Stimmen läge eine besondere Kraft. So standen wir in wundervollen Gärten und sagen miteinander. Unsere Lieder waren Erzählungen, Weisen aus uralter Zeit, von uns selbst in neue Formen gebracht und in diesen zu immer neuem Leben erweckt. Große Musiker und Künstler kamen von überall her um dem Gesang der Beiden beizuwohnen und ihn mit ihren eigenen Ideen zu bereichern. Viele Verehrer umschwärmten uns, doch keiner gewann unsere Herzen. Es gab Zeiten, in denen ich keine Kriegerin war, in denen ich singen konnte und der Welt so ein Stück Glück bescherte.

Irgendwann, wie sollte es anders sein, stellte sich die Frage, wessen Stimme vollkommener sei. Wessen Zauber darin größer, wessen Kraft darin erhabener. Mir war es gleich, ich erfreute mich an ihrer Stimme und dem gemeinsamen Gesang, doch ihr schien es unvergleichlich wichtig, dass ihr der Ruhm und die Erhabenheit der Besseren zustanden. Ich verstand nicht, wieso sie dies so sehr begehrte, woher dieser ungeheuerliche Ehrgeiz rührte, der alles zu vergiften drohte, was wir an wunderbarem und liebenswerten geschaffen hatten. Bis heute kann ich nur vermuten, aber nicht erahnen, welchen dunklen Weg sie gegangen ist, um auf diese Bahn zu geraten.

Und so vielen unsere Träume dahin. Immer wieder forderte sie mich zu Wettkämpfen, in die ich nur widerwillig, nur ihr zuliebe einwilligte und mal gewann sie und bedachte mich mit dezentem Spott, doch wenn die Gunst der Zuhörer auf mich vereinen konnte, dann war ein Wort des Lobes und der Anerkennung das Letzte, wonach ihr der Sinn stand. So hasserfüllt wurden ihre Blicke, dass mir jeder Sieg verdorben wurde, jede Freude am Erfolg vergrämt. Also zog ich mich zurück von unserem einstigen Tun, weshalb sie mich als Unterlegene brandmarkte, die mit der höheren Kunst ihrer Stimme nicht leben konnte. Mir war es gleich, es wäre mir sogar ein gern erbrachtes Opfer gewesen, wenn nur das, was uns einst verbunden hatte, dadurch gerettet worden wäre. Doch dies war ein naiver Gedanke, denn man verjagt die Bestie nicht, indem man sie füttert.

Das eine Mal als ich einen Blick auf die großen Tafeln werfen konnte, da las ich die Antwort darauf, wie es möglich war, dass sie sich so gewandelt hatte. Ich las davon, wie Morgoth, jenes unvergleichliche Schrecknis auf sie aufmerksam geworden war und in ihrem Ehrgeiz den Schlüssel sah, sich ihrer beneidenswerten Macht zu bedienen. Die Gesänge die er sie lehrte schienen ihr vollkommen, doch der nie vollkommen zu überdenkende Keim des Übels darin ließen sie in den Ohren der Elben dennoch immer wieder misslich klingen, so dass ich, die reinen Herzens sang, immer wieder in die Gunst der Zuhörer fiel. Sie jedoch, sie konnte das nicht verstehen. Und so wuchs und gedieh die dunkle Saat in ihr, bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem sie ihr eigenes Volk verriet und ihre engsten und treuesten Freunde der Herzen und Seelen beraubte, welche sie freudig und vertrauensvoll in ihre Hand gelegt hatten, um sie ihrem dunklen Gebieter zu Füßen zu legen.

Das war der Tag, an dem meine einstige Freundin verloren war auf ewig. Es war der Tag, als etwas neues, etwas schreckliches durch sie geboren wurde.

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Endzünd' die Flamme tief in mir, gegen jedes für und wider...
Erleuchte ich die Welt für dich, oder brenn' sie mit dir nieder.

Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von Nelfalas: 01.07.2010 12:40.

01.07.2010 12:36 Nelfalas ist offline E-Mail an Nelfalas senden Beiträge von Nelfalas suchen Nehmen Sie Nelfalas in Ihre Freundesliste auf
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